Yoga für Rücken und Schultern Übungsreihe
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Yoga für Rücken und Schultern: Eine 15-Minuten-Sequenz für den Alltag

Dauer: ca. 15 Minuten

Ich habe diese Sequenz ursprünglich für mich selbst zusammengestellt – an Tagen, an denen mein oberer Rücken nach langen Sitzungen vor dem Laptop schwer und eng wirkt. In dieser Sequenz findest du meine liebsten Übungen aus dem Yoga für Rücken und Schultern. Mit der Zeit ist sie zu einer der Zusammenstellungen geworden, die ich am häufigsten übe und auch in meinen Kursen einsetze.

Die Asanas sind bewusst so gewählt, dass du sie auch als Anfänger üben kannst und dabei auf feinere Bewegungen und deine Ausrichtung achten kannst. Der Fokus liegt auf der Brustwirbelsäule – dem Bereich, der bei den meisten Menschen am stärksten unter dauerhaftem Sitzen leidet und gleichzeitig am wenigsten Aufmerksamkeit bekommt.

Wenn du erfahrener Yogi bist, magst du diese Asanas vielleicht als Ergänzung zu deiner eigenen Praxis nutzen.

Warum gerade Rücken und Schultern?

Die meisten Verspannungen im oberen Rücken und in den Schultern entstehen nicht durch zu viel Bewegung, sondern durch zu wenig – und durch eine einseitige Haltung, die wir oft über Stunden halten, ohne es zu bemerken. Der Kopf sinkt nach vorne, die Schultern folgen, die Brustwirbelsäule rundet sich. Was sich dann als Schulter- oder Nackenverspannung zeigt, hat seinen Ursprung oft tiefer: in der mangelnden Beweglichkeit der Brustwirbelsäule selbst.

Yoga für Rücken und Schultern setzt genau dort an: mit Übungen, die die kleinen Muskeln entlang der Wirbelsäule kräftigen, die Schulterblätter mobilisieren und die Brustwirbelsäule in alle Richtungen bewegen.

Die Sequenz: 8 Asanas für Rücken und Schultern


1. Kindhaltung (Balasana) mit Bolster

Lege deine Handgelenke auf ein Bolster oder ein großes Kissen. Arme strecken. Kopf ablegen – entweder auf dem Boden oder auf einer Unterlage. Brustwirbelsäule weich werden lassen.

Diese Ausgangsposition ist mehr als eine Ruhehaltung. Mit jedem Ausatmen kannst du spüren, wie die Brustwirbelsäule sich leicht öffnet und nach unten sinkt. Lass dir hier ein paar Atemzüge Zeit, bevor du weitermachst.


2. Kuh (Bitilasana)

Hände unter Schultern, Hüften über Knie. Mit der Einatmung: Fokus vor allem auf der Bewegung der Brustwirbelsäule. Schulterblätter nach hinten und auseinander ziehen, Nacken lang lassen, Bauchmuskeln aktiv, Hände leicht Richtung Knie schieben.

Was hier oft vergessen wird: Kuh ist nicht nur eine Rückenbeuge des Lendenwirbelbereichs. Wenn du wirklich die Brustwirbelsäule ansprichst, merkst du, wie sich die Haltung von innen öffnet.


3. Katze (Marjaryasana)

Wie in der Kuh: Hände unter Schultern, Hüften über Knie. Mit der Ausatmung: Fokus auf der Lendenwirbelsäule. Bauchmuskeln ziehen Richtung Wirbelsäule, Hände schieben leicht von dir weg, Kopf loslassen.

Wiederhole Kuh und Katze für mehrere Atemzüge im langsamen Rhythmus. Du kannst die Übergänge auch bewusst anhalten und jeweils einen Moment halten – das gibt mehr Raum für die Körperwahrnehmung.


4. Twist aus dem Vierfüßlerstand

Aus dem Vierfüßlerstand ein Bein nach hinten ausstrecken, die gegenüberliegende Hand auf das Steißbein legen. Mit der Einatmung Länge in der Wirbelsäule schaffen. Mit der Ausatmung zur Seite aufdrehen – vor allem aus der Brustwirbelsäule heraus.

Für einige Atemzüge bleiben. Wenn du magst, kannst du den Arm zusätzlich nach oben strecken. Die andere Seite nicht vergessen.

Alignment-Hinweis: Die Drehung kommt aus der Brustwirbelsäule, nicht aus der Hüfte. Lass die Hüfte möglichst gerade, während du dich oben öffnest.


5. Abschauender Hund (Adho Mukha Svanasana)

Aus dem Vierfüßlerstand Knie heben, Arme strecken. Für die Ausrichtung:

  • Hände: Finger gespreizt, Fingerball und Handballen aktiv in den Boden schieben, Handgewölbe leicht heben
  • Arme: Oberarme im Schultergelenk halten, Trizeps Richtung Bizeps schieben
  • Wirbelsäule: in die Länge ziehen
  • Beine: Oberschenkelinnenseiten zur Decke drehen, Sitzbeinknochen weit auseinander

Mit der Ausatmung abwechselnd Waden dehnen. Für Yoga Rücken- und Schulterübungen ist der abschauende Hund besonders wertvoll, weil er gleichzeitig die Schulterblätter mobilisiert und die gesamte Wirbelsäule in Länge bringt.


6. Heuschrecke (Salabhasana)

Aus dem abschauenden Hund in die Liegestütz übergehen und auf dem Bauch ablegen. Arme am Körper entlang ablegen.

  • Große Zehen zueinander bringen
  • Knie vom Boden heben, Oberschenkelinnenseiten nach oben rotieren (Po bleibt weich!)
  • Untere Bauchmuskeln aktivieren

Mit der Ausatmung Bauchnabel in den Boden schieben, Beine und Arme gleichzeitig vom Boden heben und für ein paar Atemzüge halten, dann wieder ablegen.

Die Heuschrecke kräftigt die gesamte Rückenmuskulatur entlang der Wirbelsäule – ein Bereich, der im Yoga für den Rücken häufig unterschätzt wird, weil er weniger spektakulär ist als tiefe Dehnungen, aber langfristig mehr Stabilität schafft.


7. Adler (Garudasana) im Fersensitz

Aus der Bauchlage den Po auf die Fersen schieben, in den Fersensitz kommen. Rechten Arm unter den linken legen, mit der rechten Hand das linke Handgelenk greifen. Arme zurück ins Schultergelenk ziehen, Ellenbogen zueinander schieben, Unterarme so weit wie möglich aufrichten.

Diese Position dehnt tief die Schulterblattregion und den Bereich zwischen den Schulterblättern – genau dort, wo sich bei vielen nach langen Arbeitstagen eine dumpfe Schwere aufbaut.

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8. Kindhaltung (Balasana) zum Abschluss

Nochmals die erste Übung für ein paar Atemzüge wiederholen. In die Brustwirbelsäule hineinspüren. Spürst du einen Unterschied zu Beginn der Sequenz?


Wie du diese Sequenz in deinen Alltag integrieren kannst

Yoga für Rücken und Schultern braucht nicht täglich eine Stunde. Diese Sequenz dauert etwa 15 Minuten und lässt sich gut morgens, in der Mittagspause oder am Abend einbauen. Ich selbst übe sie am liebsten morgens, bevor der Tag beginnt – dann trage ich die Beweglichkeit und das Körperbewusstsein in den ganzen Tag.

Wenn du begleitetes Üben bevorzugst, findest du genau solche Sequenzen in meinen Hatha Yoga Präventionskursen in Gilching. Die Kurse werden von der Krankenkasse bezuschusst und richten sich auch an Menschen ohne Yoga-Vorerfahrung.

Für spezifischere Übungen zu Nacken und Schultern schau dir auch den Artikel zur Brahma Mudra an – eine Technik, die du direkt im Sitzen, ohne Matte üben kannst.


FAQ

Wie oft sollte ich Yoga für Rücken und Schultern üben?
Dreimal pro Woche ist ein guter Einstieg. Wenn du täglich 15 Minuten übst, wirst du nach zwei bis drei Wochen einen Unterschied in der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und in der Haltung bemerken.

Kann ich die Sequenz auch bei bestehenden Rückenschmerzen üben?
Bei leichten Verspannungen ja. Bei akuten Beschwerden, Bandscheibenproblemen oder diagnostizierten Rückenerkrankungen bitte vorher Rücksprache mit einem Arzt oder Physiotherapeuten halten. In meinen Yogatherapie-Kenntnissen gilt: Sanfte Bewegung ist meist besser als Ruhe – aber nur in dem Maß, das sich gut anfühlt.

Was brauche ich für diese Sequenz?
Eine Yogamatte, ein Bolster oder ein großes Kissen für die Kindhaltung. Das war es.

Für wen eignet sich diese Sequenz?
Für alle, die viel sitzen – im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. Keine Vorkenntnisse notwendig. Die Übungen sind so beschrieben, dass du auch ohne Yogaerfahrung mitüben kannst.


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